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Ein vierzelliger NiCd- Akkupack vom Typ SANYO
RC-2000, dessen Zellen von der Firma GM-Racing gepusht waren, hatte eine
um rund 0,4 V bessere Spannungslage beim Entladen mit 30 A gegenüber
normalen Zellen. Diese höhere Spannung machte sich auch deutlich, positiv
während vieler Probeflüge mit den behandelten Zellen bemerkbar.
Allerdings ist der Erwerb dieser gepushten Zellen nicht ganz billig, der
Preis ist etwa doppelt so hoch wie bei einer unbehandelten Zelle des
gleichen Typs.
Sicherlich aus diesem Grund ist das Pushen von Akkus unter den
Elektrofliegern kein so großes Thema wie bei den RC-Car-Fahrern. Bei den
Elektroautos werden in der Regel nur sechs Zellen verwendet, da lässt
sich der hohe Preis eher verkraften, als wenn für ein Flugmodell 16 oder
gar noch mehr Zellen benötigt werden. Außerdem stört es einen RC
Car-Fahrer im Wettbewerb überhaupt nicht, wenn wegen der besseren
Spannungslage durch den höheren Strom der Akku schneller entleert ist.
Bei den Autos kommt es nur darauf an, dass sie eine bestimmte Strecke zurücklegen.
Bei größerer Geschwindigkeit, durch die höhere Spannung des Akkus, wird
die Strecke schneller durchfahren .
Aus der RC-Car-Wettbewerbs-Szene kommen daher die entsprechenden
Forderungen nach Akkus mit höherer Spannungslage, aber auch alle
Erkenntnisse über die Vorgänge beim Pushen von Zellen, die vom Autor
ermittelt werden konnten. Demnach wird von den verschiedenen Firmen, die
den Elektro-Car-Fahrern gepushte Zellen zur Verfügung stellen mehr oder
weniger das gleiche Verfahren das bereits vor einiger Zeit in einer
amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, angewandt. Dabei mag
es kleine Unterschiede bei der Prozedur geben, und jeder Anbieter wird
seine Methode als die bessere hinstellen, aber im Prinzip läuft folgender
Vorgang ab.
Beim Pushen einer NiCd-Zelle muss für einen sehr kurzen Moment ein sehr
hoher Strom fließen. Durch diesen enormen Strom werden die Elektroden in
ihrer kristallinen Struktur beeinflusst. Dabei verändert sich der
Kristallaufbau, er wird wesentlich feinkörniger. Dadurch wird einerseits
die Oberfläche größer, der Übergang von der lonenleitung im
Elektrolyten zur Elektronenleitung im Metall wird erleichtert. Außerdem
wird der Übergangswiderstand zwischen den einzelnen Kristallen im
Metallverbund geringer, da kleine Kristalle dichter zusammenliegen als große
Kristalle. Diese beiden Vorgänge tragen insgesamt zu einer Verringerung
des Innenwiderstands einer gepushten NiCd Zelle bei. Der kleinere
Innenwiderstand sorgt dafür dass die Spannung unter Belastung nicht so
stark zusammenbricht. Dieser enorm hohe Strom darf allerdings nur für
einen sehr kurzen Zeitraum fließen, sonst würden die Akkus beim Pushen
zerstört. Die internen Anschlüsse einer Zelle sind für solche Ströme
nicht dimensioniert.
In der Schaltungstechnik ist es schwierig, Ströme im Bereich bis zu
eineigen 1000 A bereitzustellen und in kurzen Zeitintervallen zu schalten,
ohne einen unverhältnismäßigen hohen Aufwand treiben zu müssen. Als
Ausweg bleibt dabei ein sehr niederohmiger Entladevorgang von
Kondensatoren groß genug und wird die geforderte geringe Entladezeit
verwirklicht, ergibt sich automatisch der notwendige hohe Strom, der zum
Pushen von NiCd-Zellen benötigt wird. Ein Gerät zum Pushen von Akkus
besteht demnach zu-nächst erst einmal aus einer Gruppe von parallel
geschalteten Elektrolyt-Kondensatoren. Die Spannungsfestigkeit der Elkos
muss 100 V betragen, die Gesamtkapazität sollte mindestens 50 000 uF
ergeben. Da die Kapazität solcher Kondensatoren oftmals nicht dem
Aufdruck entspricht und im Laufe der Zeit auch geringer wird, empfiehlt es
sich, beim Aufbau eines solchen Geräts zum Pushen von Akkus einen
Kondensator mehr zu installieren, um auf der sicheren Seite zu liegen.
Gute Erfahrungen konnten mit neun parallel geschalteten Elkos vom Typ 6800
pF/100 V gemacht werden. Bei dieser Konstellation wird sowohl die
geforderte Gesamtkapazität als auch die notwendige Spannungsfestigkeit
erreicht. Diese Kondensator-Batterie wird durch eine Ladeschaltung auf
eine Gleichspannung von 60 bis 75 V aufgeladen. Damit die Spannung der
Elkos diesen Wert sowohl nicht über- als auch nicht durch Selbstentladung
unterschreitet, muss eine Regelung aufgebaut werden. Die Spannung der
Kondensatoren muss dann polrichtig an die zu pushende Zelle gelegt werden.
Dabei entladen sich die Kondensatoren schlagartig. Es fließt für einen
ganz kurzen Zeitpunkt ein unheimlich hoher Strom. Dadurch sind die oben
genannten Bedingungen erfüllt.
Wie schon angedeutet, liegt das Problem bei den extrem hohen Strömen, die
kurzzeitig fließen. Es ist unmöglich, einfach das verzinnte Ende einer
dicken Kupferlitze an den Pluspol der Zelle zu drücken. Ein sehr starker
Funke, ein lauter Knall und das Verbrennen der Polkappe wäre die Folge.
Das Schalten des Push-Stroms muss kontaktlos erfolgen. Dafür kommt nur
ein sehr leistungsfähiger Thyristor in Frage. Durch eine Taste wird das
Gate an die notwendige Spannung gelegt, der Thyristor zündet, die
Kondensatoren entladen sich, es fließt der erforderliche hohe Strom aus
den Elkos durch den Thyristor in die Zelle.
Normalerweise würde an dieser Stelle ein Schaltplan und eine Anleitung
zum Nachbau eines solchen Geräts stehen. Doch das ist bei dieser
Schaltung aus mehreren Gründen nicht zu verwirklichen. Zunächst einmal
ist die Herstellung des Geräts sehr teuer. Die Kondensatoren kosten pro
Stück ca. DM 30,–. Der benötigte Thyristor ist als Einzelstück fast
kaum zu bekommen. Mit ein wenig Glück kann man ihn für etwa DM 200,–
erwerben. Nimmt man als Preis für die zusätzlich benötigten Bauteile,
z.B. für den benötigten Trafo und das Gehäuse 150,– Mark an, ist der
Gesamtpreis so hoch, dass sich ein Nachbau für den privaten Gebrauch
nicht rentiert.
Darüber hinaus entstehen Kosten für die Spannvorrichtung, in der die
Zelle beim Pushen eingelegt wird. Eine zu pushende Zelle muss unter hohem
Druck eingespannt werden. Die Kontaktflächen sollten genau die Form der
Polkappen haben und nach Möglichkeit vergoldet sein. Am einfachsten ist
es, wenn man die ausgeformten Kontakte nach außen isoliert und mit einer
Schraubzwinge auf die Zelle presst. Das ist zwar nicht professionell und
sehr umständlich, aber es funktioniert.
Außer den hohen Kosten gibt es noch einen zwingenden Grund, der die Veröffentlichung
einer Nachbauschaltung verbietet. Die Spannung, mit der gearbeitet wird,
überschreitet die nach VDE zulässige Höhe ungefährlicher Berührungsspannungen.
Beim Einspannen der Zelle kann es sehr leicht zu folgenschweren Elektrounfällen
kommen, wenn man nicht äußerste Vorsicht walten lässt. Aus den
genannten Gründen wird es kaum eine Firma geben, die ein solches Pushgerät
auf den Markt bringt. Die Paragraphen des Produkt-Haftungsgesetzes sind zu
eindeutig. Aus diesen Gründen kann es auch keine Nachbauanleitung geben.
Wer dennoch – vollkommen auf eigene Gefahr – ein solches Gerät
erstellen will, kann vom Autor noch weitere Hinweise und Informationen
erhalten. Der Verlag wird die Adresse gern nennen. |
Beim eigentlichen Pushvorgang spürt man richtig, dass in der Zelle etwas vor sich geht. Es lässt sich schwer beschreiben, man meint glatt, es gehe ein Ruck durch die Zelle, ein Knistern ist zu verspüren.
Die mit diesem Gerät behandelten Zellen sind in ihrer Spannungslage nur unwesentlich schlechter als die professionell gepushten GM-Zellen. Bei einer Entladung mit 30 A beträgt die mittlere Zellenspannung 1,163 V. Bei einer normalen unbehandelten Zelle bricht die Spannung unter gleichen Bedingungen weiter zusammen, sie beträgt dann nur noch 1,086 V. In Abbildung 1 sind die Entladekurven verschiedener Akkus dargestellt. Es wurden jeweils vier Zellen in Reihe geschaltet, um die notwendigen Entladeströme zu erreichen. Die untere Kurve des Diagramms zeigt den Spannungsverlauf unbehandelter Zellen. Die obere Kurve den von gepushten Zellen.
Dabei muss allerdings betont werden, dass nicht jeder Pushvorgang zu gleich guten Ergebnissen führt. Offensichtlich gibt es Zellen, die sich nur wenig
beeinflussen lassen. Für die Entladekurve in Abbildung 1 sind vier ausgesuchte Zellen, bei denen es besonders gut funktioniert hat, vermessen worden. Sicherlich aus diesem Grund werden die gepushten Zellen, die man käuflich erwerben kann, beschriftet. Auf dem angebrachten Aufkleber wird unter anderem die mittlere Entladespannung bei einer bestimmten Stromstärke angegeben. Diesen Vermessungs- und Beschriftungsvorgang, nennt man auf neudeutsch ,Matchen’. Bei einem sportlichen Wettkampf, einem Match, sucht man auch den oder die Besten und bewertet sie. Genau das gleiche geschieht bei den Zellen. In den USA ist zu diesem Zweck ein Gerät mit dem Namen "Turbo Matcher" auf dem Markt. Mit diesem Apparat werden gepushte Zellen entladen und dabei vermessen. Das Ergebnis wird auf einem kleinen Aufkleber ausgedruckt, der dann an der Zelle angebracht wird.
Eigentlich wäre der Beitrag an dieser Stelle zu Ende, doch das wäre sehr unbefriedigend. Es wird sicher viele Elektroflieger reizen, Zellen mit einer höheren Spannungslage zu verwenden. Aber die behandelten Zellen der verschiedenen Anbieter sind sehr teuer und der Nachbau eines eigenen Geräts scheidet aus den genannten Gründen aus. Die Verbesserung der Entladespannung resultiert letztendlich aus einem besonders hohen Ladestrom. Es ist unter Insidern eine lange bekannte Weisheit: Wer mit starken Strömen lädt, hat auch starke Zellen. Es wurden daher Versuche mit dem Power Peak 4-Lader von robbe unternommen. Dieses Gerät arbeitet mit einem gepulsten Ladestrom von 33 A. Dem Autor ist kein Lader bekannt, der mit einem höheren Strom lädt.
Die vier unbehandelten SANYO RC-2000-Zellen wurden mehrmals mit diesem Gerät geladen. Bei der
anschließenden 30-A-Entladung ergab sich jedes Mal eine gewisse Verbesserung der Spannungslage, die bis auf etwa 0,17 V gegenüber normal geladenen Zellen gesteigert werden konnte. Auf eine einzelne Zelle bezogen, bedeutet das eine Verbesserung der Spannungslage um 0,043 V. In Abbildung 1 ist daher auch die Entladekurve eines 4zeiligen Akkupacks dargestellt, der mit dem Power Peak 4 geladen wurde. Dieses Ladegerät ist offensichtlich die Alternative zu den gepushten Zellen. Der Anwender erhält praktisch zum Nulltarif -ein Ladegerät benötigt er in jedem Fall – Zellen mit einer spürbar besseren Spannungslage. Daher liegt es nahe, dieses robbe-Ladegerät kurz vorzustellen.
Mit diesem Lader lassen sich 4 bis 7 schnellladefähige NiCd-Zellen automatisch laden. Der Ladestrom kann durch zwei Tasten, im Bereich von 0,3 – 11 A in Schritten von 0,01 A stufenlos eingestellt werden. Der genannte effektive Ladestrom wird aus sehr steilflankigen Stromimpulsen gebildet. Diese Impulse haben einen Spitzenwert von 33 A. Durch diese relativ hohen Stromspitzen, die während der gesamten Ladezeit auf die Zelle einwirken, wird offensichtlich im Laufe einiger Ladungsvorgänge ein ähnlicher Effekt wie beim Pushen einer Zelle hervorgerufen. Das, was dabei in einigen Millisekunden durch einen sehr hohen Stromsto8 abläuft, geschieht mit den über 30 A hohen Ladestromimpulsen des Power Peak 4 im Laufe einiger Ladungen zu einem gewissen Teil auch.
Dieses Ladegerät ist in einem stabilen, pultförmigen Gehäuse aus abgewinkeltem Stahlblech mit Seitenteilen aus Kunststoff untergebracht. Im linken Teil befindet sich eine 3 ½ stellige LCD-Anzeige, über eine "Select"-Taste kann jeweils einer der wichtigsten Ladeparameter angezeigt werden. Neben der Höhe des aktuellen Ladestroms und der Akkuspannung kann die bisher eingeladene Kapazität zur Anzeige gebracht werden. Darüber hinaus lässt sich die Spannung der Autobatterie, der eingestellte Sollwert des Ladestroms sowie die Delta-Peak-Abschaltspannung anzeigen. Dem Anwender stehen damit alle wichtigen Informationen über den Ladevorgang zur Verfügung. Nachdem das Ladegerät mit den beiden Krokodilklemmen an der Autobatterie oder einem leistungsfähigen 12-V- Netzteil angeschlossen ist, kann ein 4- bis 7zelliger Akku über zwei Bananenstecker auf der Rückseite des Geräts angeschlossen. werden. Der gewünschte Ladestrom wird mit der INC- bzw. DEC-Taste vorgegeben. Dazu muss mit der Select-Taste die Voreinstellung des Ladestroms (PRESET AMP) ausgewählt werden. Mit der Start-Taste wird der Ladevorgang eingeleitet, die Charging-LED beginnt zu leuchten. Durch die Delta-Peak-Abschaltung wird der Ladevorgang, nach Erreichen der maximalen Akkukapazität, auf Erhaltungsladung umgeschaltet. Dabei wird der Akku mit einem gepulsten , Strom von 100 mA weitergeladen, um die eingeladene Kapazität zu erhalten. Die Trickle-LED blinkt, der Akku kann abgenommen werden.
Während des Ladevorgangs können durch die Select- Taste die gewünschten Parameter zur Anzeige gebracht werden. Lädt man einen Akku mit dem maximalen Strom von 11 A, erwärmen sich die Zellen ganz erheblich. Sie dürfen daher in keinem Fall im Modell verbleiben und sollten nach einem Flug erst abkühlen. Der hohe Ladestrom sorgt für eine besonders schnelle Aufladung und eine Verringerung des Innenwiderstands, erwärmt die Akkus aber auch stark.
Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass durch diesen Beitrag für den interessierten Leser das Pushen und Matchen von NiCd- Zellen kein Geheimnis mehr ist. Es müsste auch klar geworden sein, dass sich die Erstellung eines Pushgeräts nicht lohnt und darüber hinaus sehr gefährlich ist. Wer Akkus mit bis zu sieben Zellen benötigt, hat mit dem Power Peak 4 die Alternative zu den teueren gepushten Zellen. Es währe wünschenswert, wenn dieser Lader auch für eine höhere Zellenzahl eingesetzt werden könnte.
Autor: Karl-Heinz Keufner, elektroModell 1/99 |